Schulbesuch macht arm

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Schule macht arm

Ständig ist in den Medien zu hören, schlechte Bildung sei die Folge von Armut. Kinder von Hartz-4-Empfängern seien wegen der fehlenden finanziellen Mittel benachteiligt usw. Sie kennen es. Aber Null Bock auf Schule musste zur Erkenntnis gelangen: Schule macht arm. Nicht nur die Anschaffung von Schulmaterial sondern auch die Teilhabe an schulischen Veranstaltungen reißen tiefe Löcher in die Finanzen von Familien. Schulische Veranstaltungen finden heute wesentlich häufiger statt als noch vor einigen Jahren und längst werden diese nicht mehr überwiegend aus der Klassenkasse finanziert. Wenn es also stimmt, dass Armut ein Garant für schlechte Bildung ist, dann ist die Teilnahme an dem, was im Bezug auf Schule unter Bildung zu verstehen ist, ebenfalls ein Garant für mangelhafte Bildung. Wir finden, dass die Kosten für Bildung nicht zusätzliche Armut schaffen darf und ein Weg gefunden werden muss, wie Bildung für alle finanzierbar wird.

 

Horrende Ausgaben für die Schule

Schule macht arm – eine gewagte These. Doch ist sie deswegen weniger wahr? Schüler brauchen unerlässlich ausreichend und ordentlich Schulmaterial, um die Aufgaben in Schule und zuhause erledigen zu können. Um die Anschaffung von Heften, Büchern, Schreibutensilien, Zirkel, Farbkasten und so weiter kommt man nicht drum herum. Darüber muss man sicher nicht diskutieren. Wohl die allermeisten Eltern versorgen ihre Kinder gern mit dem notwendigen Material, denn die ausreichende Grundausstattung an Schulmaterial soll den Zugang zu Bildung ermöglichen und dabei behilflich sein, deren Erfolg sicherzustellen. Während man bis etwa in die 1990er Jahre noch mit deutlich weniger Schulmaterial auskam, werden die Einkaufslisten am Anfang eines jeden Schuljahres von Jahr zu Jahr immer umfangreicher und schlagen tiefe Kerben in die Haushaltskassen vieler Familien. In der Tat macht Schule arm und die Kosten für Bildung liegen für die meisten Familien im exorbitanten Bereich. Selbst Grundschüler tragen heute nicht selten mehr als 25 Schulhefte, Schnellhefter, Ordner und Bücher mit sich herum. Nicht mehr jedes Fach, sondern viele einzelne Themen werden mit einem eigenen Heft oder Schnellhefter bedacht und schulische Veranstaltungen sprengen den Rahmen, wie etwa mit einem Segeltörn schon in der 3. oder 4. Klasse. Mit Null Bock auf Schule möchten wir diesem Thema auf den Grund gehen und hinterfragen, ob Armut auch durch die Schule erzeugt wird und ob darin die Ursache für schlechte Bildung mitbegründet liegt. Wir gehen der Frage auf den Grund, wie zutreffend die Aussage „Schule macht arm“ ist.

 

Versteckte Ausgaben neben dem Schulmaterial

Ausgaben für Schulmaterial fallen verstärkt zu Beginn eines neuen Schuljahres an. Sie können als Kosten für Bildung jedoch gut abgeschätzt und vor allem eingeplant werden. Eltern wissen, dass zu jedem Schuljahresbeginn hohe Kosten auf die Familie zu kommen und so können Sie sich darauf vorbereiten. Anders verhält es sich mit weiteren Ausgaben. Beträge für die Klassenkasse und das so genannte Kopiergeld schlagen ebenfalls zum Schuljahresbeginn in die Haushaltskasse. Weitaus schwieriger sind für die so genannten sozial schwachen Familien weitere Ausgaben, die unvorhersehbar von den Lehrkräften eingesammelt werden. Etwa, wenn eine kostenintensive Klassenfahrt oder andere Aktivitäten, die normale Klassenausflüge überschreiten, anberaumt werden. Einige Grundschulen veranstalten jährlich über mehrere Wochen hinweg regelmäßige Besuche bei Inliner- oder Schlittschuhbahnen. Die Kosten hierfür, ebenso wie die Anfahrt- und Abfahrtkosten, sind nicht unerheblich und von den Familien selbst zu finanzieren. Spätestens, wenn sich mehrere solcher Veranstaltungen häufen, Trifft es zu: Schule macht arm. Darüber hinaus werden Gelder für weitere schulische Veranstaltungen, Lehrergeschenke, Theaterbesuche, Besuche im Kino oder im Zirkus eingesammelt und die Kosten für Bildung und das Drumherum steigen ins Unermessliche. Eine Familie hat uns nachgewiesen, in einem Monat für zwei Grundschüler 160 Euro für derartige Anlässe an die Schule gezahlt zu haben. Nicht eingeschlossen waren bei dieser Berechnung Schulmaterial wie Hefte, Stifte und Zubehör. Diese gesammelten Kosten, die nicht direkt mit Lernmaterial zu tun haben, erschweren zunehmend Familien, ihren Kindern neben den schulisch bedingten Ausgaben, andere Extras bieten zu können. Es ist anzunehmen, dass in vielen Familien weitaus mehr außerschulische geistige sowie auch körperliche Förderung etwa durch die meist kostenpflichtige Mitgliedschaft in Vereinen möglich wäre, wenn den Familien mehr Geld übrig bliebe. Dies betrifft längst schon nicht mehr nur die so genannten „sozial schwachen Familien“. Zudem sollte mit Blick auf eine effizientere Bildung hinterfragt werden, wie viele anderweitige Aktivitäten innerhalb der Unterrichtszeit zulässig sind, ohne dabei den Lehrstoff signifikant zu vernachlässigen. Es scheint sich zu bestätigen, dass nicht nur Armut für schlechte Bildung verantwortlich ist, sondern dass auch die Schule Armut erzeugt und somit einer effizienten Bildung im Wege steht.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Share This Post

Post Comment